
Das wird heute ein super Ausflug!
spricht Christof aus und rutscht 2 Minuten später einen Hang hinunter
Eigentlich möchten wir zum Klettern ins Umland von Huaraz fahren. Leider verletzt sich Christof am Weg zu den Felsblöcken seinen Daumen, sodass wir noch bevor wir nur einen Zug klettern wieder zurück zu unserer Unterkunft fahren und den Daumen verarzten.
Der nächste Tag besteht aus Daumen-Kühlen und Kaffeetrinken im nun immer mehr touristenleeren und herbstlichen Huaraz.
Um uns höhentechnisch auf unseren Gletscherkurs vorbereiten zu können, fahren wir trotz eingebundenem Finger auf 4300 m hoch nach Hatun Machay. Zwei Stunden von Huaraz entfernt befinden sich inmitten einer Hochebene Felstürme aus Vulkangestein, welche ein wirkliches Kletterparadies darstellen.
Ein Mann der indigenen Gemeinschaft lebt in einem kleinen Zimmerchen des dortigen Refugiums und betreut den zugehörigen Campingplatz. Wir essen gemeinsam mit ihm zu Mittag und trinken Kaffee – Unsere Mokka-Maschine löst Interesse und Begeisterung aus.
Wir verbringen den Tag eher wenig kletternd, dafür mehr Landschaft und Umgebung genießend. Es ist schön anstelle von Hupen und Verkaufsgeschrei lediglich Schafe und Kühe zu hören.
Der aufgehende Vollmond beschert uns eine wunderschöne Abendstimmung, bevor wir, ausgestattet mit sehr warmen Schlafsäcken, Daunenjacken, Schiunterwäsche, Haube und Handschuhen eine sehr kalte Nacht im Zelt verbringen. Immerhin sehen wir in der Früh, dass das Brunnenwasser über Nacht gefroren ist.
Nach einem gemütlichen Klettertag soll uns ein Taxi um 17.00 Uhr zurück zur Collectivo-Haltestelle bringen, damit wir unsere Rückfahrt nach Huaraz antreten können. Obwohl das Taxi pünktlich beim Refugio eintrifft, fahren wir erst eine Stunde später los:
Alles beginnt mit einer leeren Autobatterie. Eine auf der Hochebene lebende Familie hört neben der Arbeit Musik über das Autoradio und kann das Auto danach nicht mehr starten. Wissend um unser Taxi und in der Hoffnung ein Stück weit abgeschleppt zu werden, wird das Fahrzeug hoch zu einer Schotterstraße geschoben. Nach dem Eintreffen des Taxis soll das Auto noch in die passende Position geschoben werden. Dies stellt sich allerdings aufgrund des Abhanges als sehr problematisch und gefährlich dar. Trotzdem schieben drei Männer und eine Frau das Auto bergauf, um eine 180°-Wende zu erreichen. An der steilsten Stelle kommen die Personen ins Rutschen und das Fahrzeug rollt rückwärts den Hang hinunter, bis es auf einem Felsbrocken aufsitzt und zum Stehen kommt. Dass dabei niemand verletzt bzw. überrollt wird, ist ein großes Glück. Alle Anwesenden helfen schnell zusammen und das Auto wird nun mit Steinen gegen weiteres Rollen gesichert, mit einem Wagenheber hochgehoben und über eine Rampe aus Holzbrettern letztendlich tatsächlich mit dem Taxi hochgezogen.
Wir schleppen das Fahrzeug mit nun völlig kaputtem Unterboden noch eine Zeit lange mit dem Taxi ab, sind schlussendlich heilfroh darüber, dass bei dieser Aktion niemand verletzt worden ist und hoffen sehr, dass die Familie nicht mit dem Auto ohne intakter Batterie den Hang weiter zur Hauptstraße hinunterrollt.
Wir verbringen noch einen Ruhetag in Huaraz, um fit zu sein für unseren Gletscherkurs im Huascarán-Nationalpark.
Vollbepackt mit Kletter-, Bergsteig- und Campingausrüstung machen wir uns gemeinsam mit unserem Guide und einem Träger auf den Weg zu unserem auf ca. 5000m hoch gelegenen Zeltplatz. Nach einer anstrengenden Wanderung mit traumhaftem Blick auf die Cordillera Negra freuen wir uns, unsere Zelte neben einem kleinen Gletschersee aufzuschlagen. Wir beginnen noch am Abend mit der ersten Kurseinheit und lernen das Binden verschiedener Knoten, sowie Standplatzsicherungstechniken und weitere Grundtechniken des Bergsteigens.
Am nächsten Morgen soll es bereits mit dem Bergen aus Gletscherspalten losgehen. Darauf freuen wir uns sehr.
Doch es kommt anders als geplant. Christof wacht mit Fieber, Schüttelfrost und Magen-Darm-Problemen auf. Hochmotiviert versucht er seine Symptome zu verdrängen und wir wandern hoch zum Gletscher. Bald stellt sich jedoch heraus, dass die Magen-Darm-Probleme überhand nehmen. Wir kehren um und brechen unsere Zelte ab. Christof fröstelt dahin und wir haben den Weg zurück zur nächsten Straße im Kopf, der mit Fieber und Durchfall nur sehr schwer zu bewältigen ist.
Geschafft – Zum Glück hält auch bald ein Fahrzeug, welches uns mit zurück nach Huaraz nimmt. Die fast 4-stündige Fahrt über Schotterstraßen fördert die Genesung von Christof leider wenig. Endlich in Huaraz angekommen, suchen wir uns eine Unterkunft und fahren danach ins Krankenhaus. Mit einem Plastikhandschuh wird der Arm von Christof abgebunden, sodass letztendlich drei Blutproben zur Untersuchung abgenommen werden können.
Diagnose: Bakterielle Magen-Darm-Infektion.
Somit landen wir früher als geplant wieder in Huaraz. Wir nützen die nächsten Tage um einerseits wieder fit zu werden und andererseits, um unsere Pläne zu erneuern – Zumindest für so lange, bis sie sich wieder ändern 😉

















