Oh, wie schräg ist Paraguay!

Aufgrund der vielen Aufstände in Chile und Bolivien entscheiden wir uns dazu, nach Paraguay zu fliegen. Wir verbringen noch ein paar Klettertage in Cusco, kosten den peruanischen Allerheiligen-Striezel und schon geht es nach insgesamt 9 Reisewochen in Peru auf in ein für uns total unbekanntes Land.

Ungefähr fünf Flugstunden später erreichen wir eine völlig andere Welt – oder einfach Asunción, die Hauptstadt Paraguays: Bereits um 6.00 Uhr in der Früh tauschen wir unsere Winterjacken gegen Sonnencreme und Insektenspray. Im Laufe des Tages erreichen die Temperaturen hier 45 °C.  In Asunción werden uns außerdem keine Touren oder Sonstiges angeboten. Stattdessen fragt uns der Taxifahrer, warum wir in Paraguay sind – eigentlich kommen ja hierher keine Touristen. Bei einem ersten Spaziergang durch die Hauptstadt fallen uns viele verfallene Gebäude, Müll auf den Straßen und insbesondere Menschenleere auf. Außerdem benötigen wir mehrere Stunden, um einen Bankomaten zu finden, von dem wir Geld beheben können. Nach dem schweißtreibenden Spaziergang gibt es keine Dusche – Es herrscht Wasserknappheit und somit tropft es lediglich in der Früh und am Abend aus dem Duschkopf.

Komisch. Wo sind wir hier gelandet?

Diese Stadt bietet sich perfekt als Drehort für einen Endzeitfilm an.

Christof

Ganz besonders fallen uns jedoch auch die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Menschen in Paraguay auf. Wir verbringen einen sehr netten Abend mit unserer Airbnb-Familie und bekommen so manches erzählt: Paraguay gilt als eines der größten Marihuana-Anbaugebiete weltweit. Marihuana wird neben Soja auch fleißig exportiert. Die indigene Bevölkerung des Landes hat das Matetee-Trinken eingeführt und perfektioniert. Aufgrund der Hitze werden die Kräuter jedoch mit eiskaltem Wasser aufgegossen und in Form des sogenannten Tereré getrunken. Dieses traditionelle Getränk wird von den Paraguayern überall hin mitgenommen. Man sieht Tereré-Becher auf dem Beifahrersitz von Autos, in der Hand von Mopedfahrern und Verkehrspolizisten, im Bus, auf den Straßen und natürlich auf Schattenplätzen am Straßenrand.

Nach dem Sammeln erster Eindrücke machen wir einen Ausflug zum See Ypacaraí. Trotz der nicht vorhandenen Busstationen nimmt uns ein Bus auf Zuwinken mit und wir kommen problemlos hin und retour. Den gemütlichen Tag am See mit Tereré, Empanadas und Spaziergängen schließen wir mit einer Grillerei gemeinsam mit unserer Airbnb-Familie ab. Dass dabei ein Kabel zu brennen beginnt, stört niemanden außer uns. Mit einem Geschirrtuch werden die Flammen ausgelöscht und nicht einmal der Schutzschalter fällt.

Über Nacht geht es mit dem Bus weiter nach Ciudad del Este. Die zweitgrößte Stadt Paraguays befindet sich im Dreiländereck zwischen Paraguay, Brasilien und Argentinien. Ciudad del Este bietet bis auf unzählige Einkaufsmöglichkeiten vieler gefälschter Produkte nur wenig. Jedoch befindet sich in der Umgebung dieser Stadt das Energiezentrum Paraguays. Itaipù ist das zweitgrößte Wasserkraftwerk der Welt. Es liegt am Fluss Paraná und wir von Paraguay und Brasilien gemeinsam geführt. Das Kraftwerk deckt zeitgleich 90% des paraguayischen und 15% des brasilianischen Energiebedarfs ab.

Ein weiteres Highlight in der Nähe der Ciudad del Este ist der Nationalpark Iguazu mit seinen atemberaubenden Wasserfällen. Wir machen uns zu Fuß auf den Weg nach Brasilien, überqueren die Freundschaftsbrücke, holen uns Aus- und Einreisestempel ab und sitzen bald in einem Bus in Richtung Nationalpark.

Auf einem eindrucksvollen Rundwanderweg genießen wir den Panoramablick auf die mächtigen Wasserfälle. Dabei entdecken wir auch so manche Tiere.

Völlig beeindruckt von unserem Tagesausflug nach Brasilien setzen wir uns in der Nacht einmal wieder in den Bus und machen uns auf den Weg in den Süden des Landes. Wir fahren nach Encarnación. Diese Stadt liegt an der Grenze zu Argentinien.

Wir kommen um 5.00 Uhr in der Früh an, haben kein Zimmer gebucht, da wir uns am Abend zur Abwechslung wieder in einen Bus setzen wollen und sind somit auf der Suche nach einer vertrauenswürdigen Person, der wir für ein paar Stunden unser Gepäck anvertrauen können. Da kommt uns der einzige um diese Uhrzeit geöffnete Tereré-Stand in der Nähe des Busbahnhofes genau richtig: Wir trinken als Zeitvertreib bis zum Sonnenaufgang einen Tereré und geben unser Gepäck ab.

Frei von unseren schweren Rucksäcken erkunden wir die Stadt und besuchen die Ruinen der einstigen Jesuiten-Missionen in Trinidad.

Nun geht es mit vielen neuen Eindrücken aus dem für uns in so mancherlei Hinsicht schrägen Land mit seinen extrem freundlichen Menschen weiter über die Grenze nach Argentinien!

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