Mit dem Suzuki Swift durch die Atacama-Wüste

… und wir meinen wirklich DURCH einen Teil der Atacama-Wüste, weit weg von jeglichen Anzeichen einer Zivilisation. Aber jetzt von vorne.

Bevor es für uns nach Patagonien geht, fliegen wir noch für eine Woche in den Norden von Chile. Für die Zeit dort borgen wir uns ein Auto aus. Wir kommen müde von der Nacht im Flugzeug in Antofagasta an und bekommen von diversen Autovermietern chilenische Preise präsentiert. Sparsam wie wir sind, entscheiden wir uns schnell für das günstigste Auto, für einen Suzuki Swift.

Der „City-Car“, wie er von der Autovermietung genannt wird, bringt uns problemlos ins Zentrum der Stadt. Hier sehen wir erstmals kleine Auswirkungen der vielen Proteste der letzten Monate in Chile. Zerschlagene Fensterscheiben und Brandrückstände lassen die ohnehin nicht einladend wirkende Bergbaustadt an der chilenischen Nordküste für uns noch trister erscheinen. Gut, dass wir hier nur kurze Zeit für einen Spaziergang an der Küste verbringen, bevor wir am nächsten Tag auf den Cerro Paranal fahren, um die europäischen Südsternwarten mit dem größten optischen Observatorium der Welt, dem Very Large Teleskope, zu besichtigen.

Wir bekommen eine Führung durch das Observatorium, welches auf 2600 m Höhe liegt und dürfen auch die Unterkunft der Astronomen und Techniker betreten. Diese ist von außen nur als Glaskuppel ersichtlich und hat aufgrund dessen bereits als Kulisse für einen James Bond Film gedient.

Jetzt freuen wir uns sehr auf die landschaftlichen Highlights der Atacama-Wüste. Wir fahren weiter in den Norden, nach Calama, und von dort aus in das Naturreservat Alto Loa. Anstelle von anderen Fahrzeugen sehen wir hier Vulkane, Kupferminen, Lagunen und Salzfelder. Wir sind begeistert. So begeistert, dass wir gleich weiterfahren wollen, um die höchst gelegensten Geysire der Welt zu besichtigen, die Geysire von El Tatio.

Google Maps schlägt uns dafür eine 150 km lange Strecke vor. Wir finden eine viel bessere – glauben wir zumindest. Laut Karte schlängelt sich ein nur 90 km langer Weg zwischen Vulkane durch und führt uns ebenso zu den Geysiren. Überzeugt davon, dass die angebliche Fahrzeit von 3,5 Stunden für diese 90 km einfach nicht stimmen kann und die Strecke bestimmt wunderschön ist, starten wir mit unserem „City Car“ auch schon los.

Das erste Drittel der Schotterstraße schafft unser Suzuki Swift ganz ohne Probleme. Als die „Straße“ immer sandiger wird und sich unser Fahrzeug immer schwieriger damit tut, sich nicht selbst einzugraben, fangen wir langsam wirklich an unserer Route zu zweifeln an. Nun kündigen auch Straßenschilder an, dass sich der Weg in einem schlechten Zustand befindet. Na gut, dass haben wir mittlerweile selbst auch bemerkt.

Also das B der B145 steht nicht für Bundesstraße!

Angelika

Umdrehen stellt mittlerweile keine Option mehr dar. Dafür ist die Strecke zurück zu steil und zu sandig. Also versuchen wir es weiter in der Hoffnung, dass der Untergrund sich bessert. Wir haben ja nur noch 55 km bis zu den Geysiren.

Natürlich merken wir keine positive Veränderung des Weges. Ganz im Gegenteil. Extrem sandige Stellen wechseln sich mit steinigen Abschnitten ab. Um nicht aufzusitzen, räumen wir die größten Steine aus dem Weg. Der „City Car“ mutiert zum Wüsten-Flitzer. Unser Adrenalinpegel steigt, da wir nicht wissen, was genau wir machen sollten, würden wir hier mit dem Auto hängen bleiben. Immerhin sehen wir hier weit und breit keine anderen Fahrzeuge und die Esel hier scheinen auch nicht kompetente Ansprechpartner zu sein.

Wir befinden uns also auf dem Weg zu den höchst gelegensten Geysiren der Welt. Unser Suzuki Swift kämpft sich auf rund 4500 m Höhe durch Sand und Steine. Wir bauen Rampen, um über den „stufigen“ Weg zu kommen.  Zwei Mal muss angeschoben werden, jedoch schaffen wir es letztendlich bei den Geysiren anzukommen.

Lustigerweise jedoch endet unser Weg an einer Absperrung. Von der anderen Seite aus ist diese Strecke sowohl für Fahrzeuge als auch für Wanderer gesperrt. Schnell räumen wir die Absperrung weg und fahren erleichtert zu unserem Ziel, den Geysiren. Es gilt eindeutig: Der Weg ist das Ziel.

Außerdem bemerken wir, dass wir für den Besuch der Geysire Eintritt bezahlen hätten müssen und der Park bereits geschlossen ist. Also müssen wir schnell noch einen Schranken hochheben, bevor jemand sieht, dass wir gerade von einer gesperrten Straße aus in den Park eingefahren sind und die Geysire ohne Ticket besichtig haben.

Die nun an uns vorbeiziehende wunderschöne Landschaft und insbesondere die bessere Beschaffenheit der Straße beruhigen uns und wir kommen sehr müde spät am Abend in unserer Unterkunft an.

Nach der für uns fast zu aufregenden Wüstenfahrt gönnen wir uns und unserem Auto einen Ruhetag, bevor wir die Umgebung von San Pedro de Atacama auf gut befahrbaren Straßen erkunden. Besonders beeindruckt uns die Laguna Chaxa, die in ihrem schwefelhaltigen Wasser viele Flamingos beheimatet.

Wir genießen den Sonnenuntergang mit Blick auf das Valle de la Luna und nützen zu guter Letzt unser Mietauto auch noch als Camper und verbringen eine wunderschöne sternenklare Nacht im kleinen Flitzer.

Nach einer sehr aufregenden Woche in der Atacama-Wüste bringen wir unser Auto ohne Schaden zurück. Die Dame der Autovermietungsfirma ist mit dem Zustand des Fahrzeuges höchst zufrieden (hat sich aber den Unterboden nicht angesehen).

Nun setzen wir uns in das Flugzeug in Richtung Patagonien, wo wir die nächsten drei Wochen verbringen werden.

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