Fin del Mundo – Das Ende der Welt

Südlicher geht es nicht mehr, zumindest nicht für uns. Wir fahren mit der Fähre von Punta Arenas nach Puerto Williams. Der Ort liegt auf der Insel Navarino kurz vor dem berühmten Kap Horn und ist die südlichste Ortschaft von Chile und damit auch der Welt. Die Fährenfahrt dauert länger als 30 Stunden. Wir starten um zirka 18 Uhr von Punta Arenas aus los. Zu unserem Erstaunen ist die Verpflegung für die eineinhalbtägige Fahrt inkludiert und wir werden schon beim Einsteigen gefragt, ob wir eine spezielle Diät verfolgen. Der Tourismus scheint auch hier in eine der abgelegensten Regionen Südamerikas gekommen zu sein. Neben vegetarischen und veganen Speisen werden unter anderem auch glutenfreie Mahlzeiten angeboten.

Obwohl es sich bei den meisten Fahrgästen der recht kleinen Fähre um europäische Touristen handelt, nützen auch Bewohner von Puerto Williams die Fähre, um unter anderem Einkäufe wie Fernseher, Fensterscheiben oder Pölster von Punta Arenas nach Hause zu bringen. Die Fähre stellt für die Einheimischen die einzig günstige Möglichkeit dar, die Insel zu verlassen.

Die Fahrt führt uns durch die Magellanstraße in Richtung Pazifik, dann entlang der chilenischen Küste Richtung Süden in den Beagle Kanal. Auf der gesamten Fahrt sehen wir weder an der Küste noch auf den vielen vorgelagerten Inseln Häuser oder gar eine Ortschaft, dafür jedoch Vögel und Delfine. Hier ist die Welt noch menschenleer und unberührt.

Wir kommen um 1 Uhr morgens in Puerto Williams an und freuen uns sehr, dass unsere gebuchte Unterkunft gleich auf der anderen Straßenseite des Hafens liegt. Viele Unterkünfte gibt es hier nicht, man kann zwischen fünf verschiedenen Häusern und ein-zwei Zeltplätzen wählen.

Gemeinsam mit den meisten anderen Fahrgästen der Fähre werden wir von der Betreiberin des Refugiums sehr herzlich empfangen. Typische Touristenfragen wie „Sollen wir gleich bezahlen?“, „Benötigst du unsere Daten?“ oder „Um welche Uhrzeit müssen wir aufbrechen, um dies oder jenes am nächsten Morgen zu erreichen?“ werden einfach mit „Relájate! – Entspann dich!“ beantwortet. Auf die Frage, ob es hier W-Lan gibt, wird nur gelacht. Das letzte Internetsignal hat es vor Weihnachten vom argentinischen Netz aus über den Beagle-Kanal gegeben. Seit dem neuen Jahr gibt es dies nicht mehr. Allerdings findet man im Museum des Ortes einen Router mit W-Lan.

So steht als eine der Grundregeln des Hauses auf der Eingangstür festgeschrieben: „Du befindest dich am Ende der Welt. Entspanne dich, es gibt immer eine Lösung!“

Wir schlafen uns gut aus und freuen uns über ein sehr gemütliches Frühstück im Refugium. Bei der Erkundung des Ortes wird uns klar, dass wir uns hier wirklich weitab von Allem befinden. Kühe und Pferde grasen auf dem Strand, uralte Busse werden als Glashäuser für Gemüse genützt, Segelboote werden für die Überfahrt auf die Antarktis vorbereitet. Außerdem sieht man die Einwohner von Puerto Williams in die beiden Supermärkte gehen, um Obst und Gemüse einzukaufen. Samstags ist der beste Tag dafür, da die frischen Lebensmittel mit der Fähre aus Punta Arenas geliefert werden und diese eben nur einmal wöchentlich in Puerto Williams anlegt. Ab Mittwoch gibt es dann im Ort meistens kein Obst und Gemüse mehr zu kaufen.

Für uns ist es etwas ganz Besonderes, dass hier blühende Almwiesen mehr oder weniger ins Meer ragen, dass hier Möwen an Kühen vorbeifliegen und dass hier Muscheln neben Gänseblümchen liegen.

In einem der wenigen Restaurants essen wir eine sehr leckere Meeresfrüchte-Suppe zu Mittag und am Abend gibt es Pizza: Die Getränke müssen selbst in das Restaurant mitgebracht werden und da die Dame gerade Probleme mit ihrer Zulassung hat, muss man vor dem Betreten des Lokals an der Tür klopfen und die Vorhänge werden zugezogen. Gäste, die der Betreiberin suspekt erscheinen, werden mit dem Wort „Privatveranstaltung“ abgelehnt. Die Pizza ist jedoch die beste, die wir in ganz Südamerika je gegessen haben!

Es wird uns erzählt, dass gerade das Projekt eines Straßenbaus umgesetzt wird. Touristen soll die Anreise von Punta Arenas aus einfacher gemacht werden. In Zukunft wird Puerto Williams wohl nicht mehr so ein verlassener Ort sein wie bisher. Chile zielt darauf ab, aus Puerto Williams ein Ushuaia zu machen. Dies ist die südlichste Stadt Argentiniens und sehr touristisch.

Wir fahren mit einer Fähre von Puerto Williams aus über den Beagle-Kanal nach Ushuaia. In dieser Stadt stehen uns wieder alle Annehmlichkeiten zur Verfügung. Auch hier gefallen uns der auf uns sehr nordisch wirkende Stil, die bunten Häuser, das saftige Grün, die schnee-bzw. gletscherbedeckten Berggipfel und das auf uns dazu so konträr wirkende Meer.

Nach einem kurzen Aufenthalt in Ushuaia setzen wir uns ins Flugzeug nach Buenos Aires. Unglaublich, dass dieser Inlandsflug bis nicht einmal ganz in den Norden des Landes 3,5 Stunden lange dauert. Wir freuen uns sehr auf eine Woche in der Metropole Argentiniens!

2 Kommentare zu „Fin del Mundo – Das Ende der Welt

  1. Avatar von Patrick Bongni
    Patrick Bongni 20. Januar 2020 — 14:29

    Hallo Zusammen,
    wir sind gut von dem 5-tägigen Trekking zurück gekommen. Die Landschaft ist echt beeindruckend! Wettertechnisch war es schon sehr durchzogen: Der erste Tag traumhaft schön und dann zunehmend bewölkter und regnerischer. Am 4. Tag hatten wir so richtiges Hundewetter! Von starkem Regen über starken Wind bis zu Schneegestöber hatten wir alles. Zum Glück war der 5. Tag dann wieder sonnig und mild! 🙂
    Gefährliche Passagen oder Schnee/Eis, bei welchem Steigeisen erforderlich gewesen wären, hatten wir zum Glück nirgends angetroffen. Entweder hatten die anderen Pech mit dem Wetter oder sie sind vom Weg abgekommen… Anders können wir es uns nicht erklären.
    Zusammengefasst war es ein abenteuerliches Trekking durch sehr nasses und matschiges Terrain. Auf jeden Fall ein Erlebnis und trotz allen Strapazen ein Highlight für uns! 🙂 Das Video dazu folgt irgendwann in ein paar Wochen… 😀
    Liebe Grüsse
    Michelle und Patrick

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    1. Avatar von angchri

      Hallo ihr Beiden! Schön von euch zu hören und super, dass ihr eine zwar abenteuerliche, aber doch tolle Wanderung gehabt habt!! 🙂 bei uns geht’s nun bald zurück nach Europa. Wir verfolgen euch weiterhin über eure Videos!! Liebe Grüße Angelika und Christof

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