Uruguay – Das unbekannte Land der Kühe und entspannten Menschen

Die Erkundung des für uns völlig unbekannten Landes Uruguay startet mit der Fähren- und Busfahrt von Buenos Aires nach Montevideo. Dort angekommen lernen wir bereits eine Besonderheit von Uruguay kennen: den Karneval. Wir haben das Glück, dass genau an dem Wochenende, an dem wir in die Hauptstadt Uruguays reisen, das Spektakel des Jahres startet. Das Besondere am Karneval in Uruguay ist, dass er der am längsten andauernde weltweit ist. Immerhin wird hier ein Monat lang gefeiert und es werden daneben fast täglich gesellschaftskritische Aufführungen dargeboten.

Wir schauen uns spät abends noch einen Teil des Umzuges an und uns wird bei unserem ersten Abendessen im neuen Reiseland klar, warum Uruguay als die Schweiz Südamerikas bezeichnet wird. Die Preise sind hier deutlich höher im Vergleich zu den Nachbarländern.

Nach einer Erkundung von Montevideo, der Stadt, die mit ca. 1,4 Millionen Einwohnern fast die Hälfte der in Uruguay lebenden Menschen beheimatet, mieten wir ein Auto, um das restliche Land, welches rund doppelt so groß wie Österreich ist, zu erkunden.

Bereits auf der Fahrt nach Colonia del Sacramento, der ältesten Stadt Uruguays, werden uns die Ausmaße der unberührten Natur einerseits sowie der unzähligen landwirtschaftlich genützten Flächen andererseits bewusst. Wir fahren durch teils 10 km lange Palmenalleen vorbei an Sojafeldern, entlang der Küste des Rio de la Plata.

Colonia del Sacramento verzaubert uns: Wir schlendern durch die wunderschöne Altstadt, welche von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt worden ist, und saugen das ruhige und entspannte Urlaubsflair förmlich auf. Neben alten Kolonialbauten sieht man hier Oldtimer, Künstler und tiefenentspannte mateteetrinkende Uruguayer. Wir genießen den Sonnenuntergang bei einem Abendessen mit Blick auf die Kathedrale des kleinen Ortes und schließen den Abend in einem liebevoll geschmückten Garten eines Kaffeehauses mit leckerer Torte ab.

Am nächsten Tag geht es ab in das Landesinnere. Da der Blinker unseres Fahrzeuges leider nicht funktioniert, wollen wir bei einer Tankstelle eine neue Glühbirne besorgen, um in den nächsten Tagen sicher unterwegs zu sein. Den Mechanikern kostet unsere Sorge nur ein Lächeln: Solch kleine Mängel am Auto sollen uns hier in Uruguay keine Sorgen bereiten. Wir lassen die Glühbirne trotzdem austauschen und fahren somit mit gutem Gewissen weiter. Dass uns der nicht funktionstüchtige Blinker wohl tatsächlich keine Gedanken bereiten hätte müssen, sehen wir bereits auf den ersten Kilometern unserer Fahrt: Im Landesinneren von Uruguay leben kaum Menschen. Aus diesem Grund gibt es hier auch beinahe keinen Verkehr, was wiederum der Grund dafür ist, dass die Straßen nicht asphaltiert sind. Somit fahren wir einige Stunden lang auf Schotterstraßen entlang und sehen die wunderschöne Landschaft Uruguays an uns vorbeiziehen. In Uruguay leben rund viermal so viele Rinder wie Menschen. Auch wir sehen während unserer Fahrt eindeutig mehr Kühe als Uruguayer. Die riesigen Soja-, Hirse- und Maisfelder werden von großen Landwirtschaften bewirtschaftet. Immer wieder fahren wir an mächtigen Speichersilos und schönen Gutshäusern – Estancias – vorbei.

Wir besuchen die Gruta del Palacio, eine unter Geologen weltweit bedeutende Fossilienstätte, und den Parque Bartolomé Hidalgo, bevor wir hungrig in Mercedes, einem Ort an der Grenze zu Argentinien, ankommen. Hier kosten wir das Nationalgericht Uruguays: Chivito. Hierbei handelt es sich um eine Art Sandwich, welches mit besonders viel Fleisch, Käse, Eiern und Mayonnaise-Salat serviert wird.

Gestärkt vom deftigen Abendessen starten wir am nächsten Tag bereits sehr früh mit unserer Autofahrt. Wir haben eine weite Strecke vor uns, wollen wir doch einmal quer durch das Land fahren. Einmal mehr fasziniert uns die saftig grüne Landschaft, die kaum Siedlungen beheimatet. Immer wieder riecht es nach Marihuana – Uruguay ist das erste Land weltweit, das den Cannabis-Konsum legalisiert hat. Die kleinen Ortschaften am Weg nützen wir zum Frühstücken und Kaffeetrinken.

Am späten Nachmittag kommen wir in der Schlucht Quebrada de los Cuervos an und freuen uns auf eine kleine Wanderung, bevor wir die letzten Stunden Fahrzeit an die Küste im Osten Uruguays antreten. Die Freude wird kurzzeitig durch die Entdeckung eines Platten am linken Hinterreifen getrübt. Nur gut, dass wir uns in einem Park mit ein wenig vorhandener Infrastruktur befinden und die nächste Ortschaft mehr oder weniger schnell in Reichweite ist. Wir wechseln den Reifen und genießen den Spaziergang in die urwaldähnliche Schlucht.

Langsam und vorsichtig fahren wir die 33 km mit unserem Notreifen in die nächste Ortschaft. Dort wird unser kaputter Reifen um 5€ repariert und wir können das letzte Stück unseres weiten Weges nach Aguas Dulces gut bereift weiterfahren.

Nach rund 16 Stunden Reisezeit von der uruguayischen Westküste zur Ostküste, einem immer noch kaputten Blinker, einem wieder reparierten Platten und einer sich auf unserer Fahrt teilweise gelösten hinteren Fahrzeugschürze, haben wir uns ein gutes Abendessen verdient. Müde fallen wir ins Bett.

Die nächsten Tage verbringen wir sehr entspannt an der Atlantikküste. Wir machen eine Dünenwanderung im Nationalpark Cabo Polonio und bestaunen die kleinen Fischerdörfchen am Rande des Nationalparks, welche Heimat bzw. Wochenenddomizil für viele Aussteiger Uruguays und Argentiniens darstellen. Neben diesen Hippie-Siedlungen, in denen wir den teuersten Snack unserer gesamten Reise konsumieren, gibt es hier einfach nur unberührte Natur, kaum Menschen und eine große Seelöwenkolonie.

Auf dem Weg zurück nach Montevideo machen wir noch bei der Laguna Rocha Halt. Diese Lagune stellt ein weiteres Naturparadies Uruguays dar. Neben wenigen Fischern und Surfern findet man hier nur verschiedene Vögel und saftiges Grün inmitten der Dünenlandschaft.

Ganz anders geht es in Punta del Este zu: Dieser sehr moderne Ort im Osten der Hauptstadt zeigt sich mit vielen Hochhäusern und schicken Hotels und ist wohl aus diesem Grund ein sehr bekannter Badeort in Uruguay. Im Vergleich zu den vielen unberührten Stränden erweist sich Punta del Este für uns jedoch als eher enttäuschend.

Mit vielen wunderbaren Eindrücken des kleinen, menschenarmen und naturreichen Landes geht es nun zurück nach Montevideo und von dort aus weiter nach Brasilien.

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